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Die "alte" Friedrichstraße

Die Friedrichstraße im Wandel

Berlins neue Mitte

 

 

 

 

. . . die  Friedrichstraße
                    im  Überblick


 
 
 
 
 
Einleitung
Der Friedrichstadtpalast
Von der Spree bis Unter den Linden
Kreuzung Friedrichstraße / Unter den Linden
Unter den Linden bis Leipziger Str
Der Gendarmenmarkt
Von der Leipziger Str. zum Mehringplatz.
 
Die "alte" Friedrichstraße
Wenige Monate nach seiner Eigenkrönung zum König in Preußen, vergrößerte Friedrich I. seine Residenz durch die streng planmäßig angelegte Friedrichstadt. Die Friedrichstadt sollte ihm respektablen Glanz verleihen. Dabei hatte er vor allem an die hugenottischen Handwerker gedacht, die er in diesem Stadtteil ansiedeln wollte. Die Berliner Bevölkerung nahm sein Vorhaben mißbilligend auf, da er ihre mühevoll erworbenen Äcker vor den Stadttoren für Wohnraum zerstörte, der im Grunde genommen innerhalb der Mauern genügend vorhanden war, allerdings in einem reichlich schlechten Zustand. Doch trotz aller Proteste floß das Geld in die Friedrichstadt und ihre Hauptstraße - die Friedrichstraße.

Hauptachsen der Friedrichstadt sind die vom Spittelmarkt nach Westen führende Leipziger Straße und die von Norden nach Süden verlaufende Friedrichstraße.

Die Friedrichstraße beginnt an der Kreuzung von Torstraße und Hannoverschen Straße, wo früher das Oranienburger Tor stand, und erstreckt sich bis zum Mehringplatz am Halleschen Tor.
Die Tore gehörten zu den 14 Toren der Zollmauer, die Friedrich Wilhelm I. anlegte. Diese Mauer verband, die vor den Toren gelegenen Plätze mit dem Pariser Platz. Mit ihren 3 km ist die Friedrichstraße auch heute noch die längste Straße der Innenstadt.

Unter dem Nachfolger von Friedrich I. wurde die Friedrichstadt weiter ausgebaut. Doch obwohl er den Stadtteil später mit Soldaten und wohlhabenden Bürgern zwangsweise besiedelte, blieben mehr als 1000 Wohnungen leer stehen.

Friedrich II. ließ alle Häuser abreißen, um darauf statt dessen drei- bis viergeschossige Gebäude zu errichten. In der Gründerzeit wurden die klassizistischen Bürgerhäuser gegen vornehme Banken, Verlage, Geschäfte und Wohnhäuser ausgetauscht, die letztendlich von Bomben in Ruinen verwandelt wurden.

Zur Kaiserzeit verwandelte sich die Friedrichstraße in die erste Geschäfts- und Vergnügungsstraße der Stadt. Der obere Straßenteil zwischen Oranienburger Tor und S-Bahnhof war zu Beginn dieses Jahrhunderts ein brodelndes Kneipenviertel. Es existierten zahlreiche Kaschemmen und Bordelle. In fast jedem zweiten Gebäude fand man zu jener Zeit ein Vergnügungsetablissement.
Auch heute befinden sich in diesem Abschnitt der Friedrichstraße noch besonders viele Kneipen und kleine Läden, die, im Gegensatz zum südlichen Ende der Straße, weitgehend vom Krieg verschont worden sind.

 

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Der Friedrichstadtpalast

Zwischen Oranienburger Tor und S-Bahnhof Friedrichstraße befindet sich der neue Friedrichstadtpalast, Europas größtes Revue-Theater. Hier werden aufwendig gestaltete Shows, Gastspiele internationaler Stars usw. aufgeführt. Das Gebäude ersetzt den 1985 wegen Baufälligkeit abgerissenen alten Friedrichstadtpalast, der zwischen Rheinhardtstraße und Schiffbauerdamm angesiedelt war.

Der alte Friedrichstadtpalast war ursprünglich 1867 als erste Berliner Markthalle erbaut worden. Die Halle sollte die französischen Markthallen mit ihrer Modernität noch in den Schatten stellen, mußte jedoch bereits nach einem halben Jahr nach der Eröffnung wegen Unrentabilität wieder schließen. Daraufhin zog der Zirkus des berühmten Salamanskys in das Gebäude ein. Salamansky wechselte jedoch bald darauf zum Moskauer Zirkus und wurde von Renz abgelöst.

Der Zirkus bekam bald Konkurrenz durch die Varietés. Von denen das bekannteste der Wintergarten im Central-Hotel neben dem S-Bahnhof Friedrichstraße war.

In der Folgezeit wechselten sich Zirkus und Varieté im Friedrichstadtpalast ab. Robert Kochs Vortrag über die Entdeckung des Tuberkels 1890 war die einzige ernsthafte Veranstaltung im Friedrichstadtpalast zu jener Zeit.

Im Auftrag des berühmten Regisseurs Max Reinhardt wurde der Friedrichstadtpalast nach dem Ersten Weltkrieg in ein Theater umgebaut. Reinhardts erste Inszenierung in dem neuen Theater war ein Stück von Shakespeare.
In einer Seitenbühne spielte das bekannte Kabarett Schall und Rauch mit Tucholsky, Mehring und Klabund, welches ebenfalls eine Weile von Reinhardt geleitet wurde. Nachdem Reinhardt 1924 das Theater verließ, liefen im Friedrichstadtpalast fast ausschließlich Revuen.

Mit Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde auch das Theater im Friedrichstadtpalast übernommen. Nun wurde hier wieder die traditionelle Guckkastenbühne installiert und es liefen Stücke, die "das Bauerntum als Lebensquell der nordischen Rasse" verherrlichten. Doch der Erfolg blieb aus. Das Publikum interessierte sich stärker für die bürgerlich-humanistischen Theaterstücke, die im Deutschen Theater und im Schauspielhaus aufgeführt wurden.

1943 wurde der Friedrichstadtpalast von Bomben zerstört. Nach dem Wiederaufbau 1945 bis zu seinem Ende wurde das Bühnenhaus wieder zum Varietétheater.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Friedrichstraße fast völlig zerstört. Durch die Teilung der Stadt verkümmerte die Straße darüber hinaus zum Randgebiet. Der Bau des neuen Friedrichstadtpalastes (1984) und des Grand Hotels (1987) war ein Versuch das Weltstadtflair der Straße zurückzugewinnen.

Der neue Friedrichstadtpalast ist mit seinem postmodernen Zierat, Glasmosaik auf Beton, nicht zu übersehen. Das Gebäude bietet Platz für über 2000 Besucher und hat mehrere Bühnen. Die technische Ausstattung ist erstaunlich u.a. gibt es eine Hebebühne, die wahlweise eine Tanzebene, Zirkusmanege, Eisarena oder ein Wasserbassin nach oben schieben kann.
Die Architektur des neuen Gebäudes war Vorbild für viele andere Häuser, die in den 80gern in der Friedrichstraße erbaut wurden. Die übertriebene postmoderne Opulenz an einigen Gebäuden ist der Aufgabe zu verdanken, die die DDR-Staatsführung der Straße zugedacht hatte - nämlich ein Boulevard des Renommierens und der Devisengeschäfte zu werden.

 

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Von der Spree bis Unter den Linden

Nur einige Meter vom Friedrichstadtpalast entfernt befindet sich die schöne Weidendammer Brücke mit ihren schmiedeeisernen Geländern, die 1897 erbaut wurde. Von hier aus hat man den schönsten Blick hin zur Museumsinsel.

Nahe der Weidendammer Brücke finden wir den Admiralspalast, der 1873/74 als Admiralsgartenbad eröffnet und 1910 von Heinrich Schweitzer und Alexander Diepenbrock zur repräsentativen Badeanstalt und Eislaufhalle umgebaut wurde. Noch heute sind im oberen Stockwerk sehr schön verzierte Massageräume, Herren- und Damenbecken, eine Bügelstube und eine Bar erhalten geblieben. Leider sind sie der Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Der Admiralspalast ist zum jetzigen Zeitpunkt Domizil des Kabaretts Die Distel. Der Toreingang führt zum Metropoltheater, daß 1955 hier einzog.
Das Metopoltheater war schon um die Jahrhundertwende durch seine Revuen und seinen damals berühmten Star Fritzi Massary bekannt geworden. Momentan laufen im Metropol Operetten, Musicals und ein Kleines Nachtprogramm im Rangfoyer.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich der Tränenpalast. Das gläserne Gebäude war zu DDR-Zeiten Abfertigungshalle des Grenzüberganges, in der sich die Ostberliner von ihrem Besuch verabschieden mußten, bevor diese die Zoll und Grenzkontrollen durchliefen. Heute ist der Tränenpalast zur Mehrzweckdisco umfunktioniert worden.

Der Bahnhof Friedrichstraße wurde 1882 als Stadtbahnhof eröffnet. Er ist einer der ältesten Bahnhöfe der Berliner Stadtbahn. Man baute 7964 Meter stählerne Viadukte, 1823 Meter eiserne Brücken und über zwei Kilometer Dämme, um Spree und Straße mit dem Bahnhof zu überbrücken. Das Bild der Lokomotive, die dampfend auf die Brücke über der Friedrichstraße fährt, war Symbol vom Triumph der Technik und Großstadtmoderne.
Von 1961- 1990 war der Bahnhof Friedrichstraße die einzige Verbindung für Fern-, Stadt- und U-Bahn zwischen beiden Teilen Berlins. Nach dem Mauerfall wurde er schnell wieder Durchgangsstation für Reisende in alle Himmelsrichtungen.

Gleich neben dem Bahnhof stehen noch die Grundmauern des einstigen Central-Hotels. Hier befand sich einmal das berühmteste Varitétheater Berlins. Im Zuge der Wiederbelebung der Friedrichstraße sollte dieses Varieté innerhalb eines Passagenkomplexes mit Gaststätten, Geschäften und einem Uraufführungskino neu entstehen.

Südlich der Georgenstraße eröffnete 1978 das Internationale Handelszentrum, mit seiner weiß-beigen Fassade und den dunkelgetönten Fensterfronten. Das Zentrum ist 93 m hoch und hat 25 Stockwerke. Zur Zeit seiner Fertigstellung markierte es eine Etappe des hauptstädtischen Auf- und Ausbaus: Vom wuchtigen-repräsentativen Stil, wie er in der Karl-Marx-Allee zu finden ist, hin zu international standardisierten kantigen Formen.

Schräg gegenüber befindet sich das Hotel Metropol, welches 1977-79 unter Leitung einer schwedischen Baufirma erbaut wurde.

In der früheren Dorotheenstraße - heute Clara-Zetkin-Straße - lagen westlich der Friedrichstraße das Landhaus Kamecke, Schlüters erster Berliner Bau, 1712 errichtet, und die Dorotheenstädtische Kirche, der erste protestantische Kirchenneubau Berlins, 1678-80 von Rudger von Langevelt erbaut.

Die amerikanische Botschaft hatte ihren Sitz von 1977-90 in der Neustädtischen Kirchstraße Ecke Clara-Zetkin-Straße. Das Gebäude wurde 1887 als Warenhaus für Armee und Marine erbaut und war Vorläufer des modernen Warenhauses. Ab 1935 diente es als Haus des Deutschen Handwerks.

In der Clara-Zetkin-Straße Nr. 26 befand sich die ehemalige Handelskammer zu Berlin, heute ist die Akademie der Wissenschaften und die Fachschule für Bibliothekswesen hier ansässig. Der schlichte Klinkerbau gleich daneben mit den schönen Rundbogenfenstern im Obergeschoß ist Werk Paul Spiekers und wurde als Universitätsbibliothek errichtet.

 

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Die Kreuzung Friedrichstraße/Unter den Linden

Die Kreuzung Friedrichstraße/Unter den Linden gehörte bereits in den 20ger Jahren zu den belebtesten Kreuzungen Berlins und zählt auch heute noch dazu. An dieser Stelle nahm 1902 der erste Berliner Verkehrspolizist seinen Posten ein. Nach einiger Zeit wußte er sich nicht mehr anders gegen den Lärm zu helfen als seine Trillerpfeife durch eine Trompete zu ersetzen.

An den gegenüberliegenden Ecken der Kreuzung konkurrieren das Café Kranzler und das Café Bauer um Kunden.
1825 als das Café Kranzler nach Berlin kam, hatte die Stadt gerade 200.000 Einwohner, kein Gas, keine Elektrizität, keine Eisenbahn, keine Wasserleitungen und keine gepflasterten Straßen. Es gab damals allein zwei Zeitungen und drei Theater und zur Geselligkeit nur Weißbierstampen und Teegesellschaften. Natürlich war da das Café Kranzler mit seinem Rauchzimmer - auf der Straße war das Rauchen verboten - mit seiner italienischen Kapelle und besten Konditoreiwaren die Attraktion. Schnell kehrten immer mehr Gardeleutenants und Dandys hier ein. Das Café schaffte es etwas der Wiener Kaffeehauskultur nach Berlin zu bringen.

Zirka 50 Jahre später eröffnete das Café Bauer auf der gegenüberliegenden Ecke der Kreuzung. Zu diesem Zeitpunkt war Berlin schon Reichshauptstadt und weit weniger ländlich als zu Zeiten der Eröffnung des Kranzlers. Die Palette der Gäste reichte vom Adligen, über Künstler bis hin zu bürgerlichen Familien. Im Café Bauer lagen schon damals 600 Zeitungsexemplare aus.

Im Nordosten der Kreuzung steht das Hotel Unter den Linden, südöstlich lag das Restaurant Lindencorso, das von der Treuhand geschlossen wurde. Beide Gebäude sind im Stil der 50ger/60ger-DDR-Baujahre gehalten.

An der Ecke im Nordwesten befindet sich das Haus der Schweiz, ein Geschäftshaus eines Appenzeller Architekten. Dies ist das einzige Gebäude, das zur Zeit des Nationalsozialismus´ an der Friedrichstraße errichtet worden ist.

Über das Grand Hotel, 1987 erbaut, stritten sich von Anfang an die Geister. Auch wenn es freie Zimmer gab. war die Hotelleitung an Gästen, die nur mit DDR-Mark zahlen konnten nicht interessiert. Die bevorzugten Gäste waren leitende Geschäftsleute aus Japan, der USA, dem Nahen Osten und Frankreich. Nachdem weniger Betten als geplant belegt wurden, entschloß man sich DDR-Bürgern den Zutritt zum Hotel doch noch zu gewähren, jedoch nur außerhalb der Saison.
Das Hotel besitzt zwölf Restaurants und Lokale. Die Fassade besteht aus sandfarbenen Naturstein. Die über 30 Meter hohe Eingangshalle reicht durch alle sechs Etagen des Gebäudes. Die 350 Zimmer und Suiten zeichnen sich durch den plüschigen Geschmack der Jahrhundertwende aus und sind gleichzeitig mit allem erdenklichen Komfort ausgestattet. Mit seiner exklusiven Ausstattung wendet sich das Hotel an stark zahlungsfähige Gäste, hauptsächlich an Geschäftsleute.

An der Stelle, wo heute das Grand Hotel steht, erstreckte sich von der Kreuzung Friedrichstraße/Behrenstraße bis zu den Linden schräg durch den ganzen Block, die Linden- oder Kaiserpassage. Hier befanden sich das Kabarett Chat Noir, das Linden-Cabaret, diverse Geschäftsräume, Lokale und ein Hotel. Die Räumlichkeiten waren reichlich mit Stuck, Büsten, Statuen und riesigen Kronleuchtern versehen. Im Passagen-Panoptikum bekam man damals in einem anatomischen Wachsfiguren-Kabinett unterschiedliche Krankheiten gezeigt und die Unterschiede zwischen Mann und Frau erläutert - wohl gemerkt in den 70ger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Weniger spektakulär, aber genauso bewundert wurde das Kaiser-Panorama. Seine Schaukastenauslagen mit bunten stereoskopischen Fotos konnten einen Eindruck von fernen Ländern, großen Katastrophen und wichtigen Staatsbesuchen vermitteln. In der Lindenpassage traten damals viele stadtbekannte Künstler auf, wie z.B. Claire Waldoff im Linden-Cabaret.

 

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Unter den Linden bis Leipziger Str.

Ecke Behrenstraße, die ihren Namen von Behr, einem Architekten der alten Friedrichstadt, hat, finden wir das Haus der Demokratie. Das Haus war Sitz der SED-Leitung Berlin-Mitte. Im Januar 1990 ist hier die politische Opposition eingezogen: Das Neue Forum, der Unabhängige Frauenverband, die Vereinigte Linke und andere. Jetzt mußten die Mieter um diese Büroräume im Gegensatz zu etablierten Parteien hart kämpfen. Das Gebäude gehört zu den denkmalgeschützten Häusern der Friedrichstraße. Es wurde um die Jahrhundertwende für die Pschorr-Bräu, als Geschäftshaus errichtet. Die Fassade läßt noch einiges vom Glanz der einstigen Bebauung erahnen.

Im südlichen Teil der Friedrichstraße befand sich einst das Banken- und Zeitungsviertel. Hier hatten Verlage wie z.B. Mosse und Banken, Mendelson & Co., die Allianzversicherungs-AG oder die Disconto-Gesellschaft Ihren Sitz.
Mit der Industrialisierung war Berlin zum Zentrum des deutschen Kapital- und Geldmarktes geworden. In den Gründerjahren entstanden viele Aktiengesellschaften. Viele neugegründete Industrieunternehmen finanzierten sich mit dieser neuen Kapitalform. Die "Gesellschaft auf Aktien" versprachen den Gründern und Aktionären unglaubliche Renditen. Aber so hoch die Gewinnaussichten auch waren, so häufig waren auch die Zusammenbrüche der Unternehmen.
In der Friedrichstraße machte man damals das schnelle Geld. Büros eröffneten meist genauso schnell wie sie schlossen. Die Fassaden waren auf alle Fälle repräsentativ. Die Zeitungen, die in der Straße ansässig waren, kommentierten selbstredend das Geschehen auf ihre Art und Weise.

Südlich der Behrenstraße befindet sich das Haus der Russischen Kultur. Es stellt eine Art Kulturbotschaft der GUS dar - mit verschiedenen Ausstellungssälen, Buchhandlung, Schachklub, Sprachlehrzentrum, Filmothek und diversen Gaststätten. Im Rahmen der Perestroika änderte sich das Programm, weg von den angeblichen Errungenschaften des Sozialismus´ hin zu Diskussion und Unterhaltung. Heute ist das Haus der Russischen Kultur zu einem Mehrzweckhaus für Veranstaltungen von Mercedes und Christ geworden.

Unter dem Regime der DDR sollte gegenüber ein Gebäude im Stilgemisch der Neogotik und des Pseudo-Orientalismus einer russischen Teeschachtel entstehen. Der Rohbau kostete 150 Millionen DM. Die Errichtung dreier Geschäftshäuser u.a. Galeries Lafayettes machte den Abriß der "Teebüchse" notwendig, was weitere 30 Millionen kostete.

An der Ecke Glinkastraße/Taubenstraße befinden sich die Schleiermacherhäuser (1738/39), zwei von ursprünglich drei Pfarrhäusern. Hier wohnte u.a. auch der Theologe Daniel Friedrich Schleiermacher. Die Schleiermacherhäuser sind das letzte Zeugnis der bescheidenen Bauweise der jungen Friedrichstadt. Sie gehörten zu der zerstörten Dreifaltigkeitskirche in der Mauerstraße, an der Schleiermacher 1803-1834 arbeitete.

 

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Der Gendarmenmarkt

Auf der anderen Seite der Friedrichstraße liegt der Gendarmenmarkt. Der Gendarmenmarkt ist sicherlich einer der schönsten Plätze Berlins. Der 48.000 qm große Platz ist bereits im 17. Jahrhundert entstanden. Den Namen Gendarmenmarkt bekam er nach dem Kürassierregiment "Gens d´Armes", welches hier 1736-82 eine Kaserne, eine Wache und Stallungen hatte.

1950 wurde der einstige Markt der Friedrichstadt anläßlich des 250jährigen Jubiläums der Akademie der Wissenschaften in Platz der Akademie umbenannt. Seit 1991 trägt er wieder seinen ursprünglichen Namen. Während des Krieges wurden einige Gebäude des Platzes teilweise zerstört, sind aber inzwischen weitgehend wiederhergestellt worden.

Der Gendarmenmarkt wird von drei monumentalen Gebäuden, die ein Ensemble bilden, beherrscht: vom Deutschen und Französischem Dom und dem Schinkelschen Schauspielhaus in der Mitte. Das Karree ist mit Neubauten, die in ihrer Fassadengestaltung die klassizistische Gliederung imitieren, eingefaßt.

Die beiden ehemaligen Kirchen bringen mit ihren schlanken Kuppeltürmen einen besonders wirkungsvollen Akzent in das Stadtbild. Der Französische Dom wurde 1701-1705 an der Nordseite des Platzes errichtet. Er diente den im 17. Jahrhundert eingewanderten Hugenotten als Gotteshaus. Am südlichen Ende des Platzes baute die deutsche Gemeinde eine schlichte Kirche - den Deutschen Dom. Der Dom wurde 1701-1708 von Martin Grünberg erbaut.

1780 wollte Friedrich der Große die etwas schmucklose Friedrichstadt aufwerten, die nur aus endlosen Reihen gleichförmiger zweigeschossiger Häuser bestand. Er ließ durch Karl von Gontard 70 Meter hohe Kuppeltürme und Säulenportiken an die Kirchen anbringen und die Pferdeställe des Regiment der Gendarmen abreißen. Auch der Friedhof der aus Frankreich eingewanderten Flüchtlinge mußte verschwinden. Vorbild für die beiden gleichartigen Kuppeltürme, die im Krieg ausbrannten, sollten die Kirchen der Piazza del Popolo in Rom gewesen sein.

1983 wurde der Französische Dom, nach seiner Renovierung wiedereröffnet und der Friedrichswerdischen und Berliner Französisch-reformierten Gemeinde zur gemeinsamen Nutzung übergeben. Im Turm befindet sich ein 60 Glocken umfassendes Carillon, das nicht geläutet, sondern über eine Klaviatur angeschlagen wird. Jeden Dienstag ab 14 Uhr und Mittwoch ab 15 Uhr wird ein Konzert gegeben.
Heute kann man im Französischen Dom in 81 Stufen Höhe im Restaurant Turmstuben essen, gegen Aufpreis auch aus Zinngeschirr.

Desweiteren befindet sich seit 1935 das Hugenottenmuseum im Dom. Hier ist reiches Anschauungsmaterial zur Geschichte der französischen Gemeinden in Berlin und Brandenburg ausgestellt - von der Einwanderung der Glaubensflüchtlinge 1685 bis zum 19. Jahrhundert, als die "Französische Kolonie" wegen der Städteordnung ihre Verwaltungshoheit aufgab. Zur Hugenottengemeinde zählen heute in Berlin 2500 Mitglieder.

Die Aussichtsplattform unter dem Hugenottenmuseum bietet die Gelegenheit zu einem Rundblick auf Platz und Innenstadt.

Der Deutsche Dom erhielt unter Friedrich dem Großen neben dem Kuppelturm eine Säulenvorhalle. Auf dem Kuppelturm steht eine 7 Meter hohe Skulptur, die die "Siegende Tugend" darstellt.
Bis 1985 wuchsen auf der Ruine des Deutschen Doms noch Birken. Der Dom soll zukünftig als Austellungszentrum oder Veranstaltungssaal dienen.

1802 wurde das Deutsche National-Theater, das von Carl Gotthard Langhans gebaut wurde, eröffnet. Damals hatten dort 2000 Zuschauer Platz. Schon Friedrich der Große hatte 1774 an dieser Stelle ein französisches Komödienhaus bauen lassen.

Nachdem das Deutsche Nationaltheater 1817 abgebrannt war, errichtete Karl Friedrich Schinkel das Schauspielhaus auf den Grundmauern. Das Schauspielhaus gilt als das wohl schönste Bauwerk des Berliner Klassizismus. Schinkels Bau wird an der Frontseite von einem gibelgeschmückten Säulenportikus beherrscht. Der Skulpturenschmuck nach antiken Motiven stammt größtenteils von Christian Friedrich Tieck. Das Schillerdenkmal 1871 vor der Freitreppe aufgestellt, ist ein Werk von Reinhold Begas´. Es stand dort bis 1935. Von 1952 - 1984 befand es sich im Lietzenseepark in Charlottenburg. 1989 wurde, die von vier Musen umgebene Statue, mit einem Schutzfilm gegen Schadstoffe überzogen, wieder an seinem ursprünglichen Standort aufgestellt.

1821 wurde im Schauspielhaus Webers "Freischütz" uraufgeführt. 1918 wurde aus dem Hoftheater ein "Preußisches Staatstheater". Das deutsche moderne Theater feierte hier legendäre Triumphe. Seine große Zeit hatte das Haus unter den Intendanten Leopold Jessner und Gustav Gründgens.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schauspielhaus zerstört. 1967 begannen die langwierigen Rekonstruktionsmaßnahmen am und im Gebäude. 1984 wurde es dann wiedereröffnet. Heute dient es ausgestattet mit einer Orgel nach Silbermann-Tradition, als Konzerthaus.

Im Gebäudeinnern entfaltet sich klassizistisch nachempfundene Pracht, von roten Teppichböden und Samtvolieren bis hin zu den Stuckmalereien und lebensgroßen Figuren der griechischen Mythologie an den Wänden und der Decke von Foyer und Konzerträumen. Das Schauspielhaus ist jetzt eine der großen Stätten der Klassik und Neuen Musik in Berlin.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Gendarmenmarkt Mittelpunkt des Berliner Lebens. In den nahegelegenen Cafés trafen sich Literaten, Philosophen und Intellektuelle. Ecke Französische Straße/Charlottenstraße war das Weinhaus Luther & Wegener zu finden. Es wurde vor allem durch seine berühmten Gäste, wie E.T.A. Hoffmann, Grabbe, Heine und Glaßbrenner bekannt. Der Wirt des Weinlokals war der Erste, der seinen Gehweg 1825 mit Grannitplatten auslegen ließ. Sonst waren zu jener Zeit noch Sandwege und offene Rinnsteine, wo der Unrat hineingeschüttet wurde, gang und gebe. Die Weinstube gibt es heute nicht mehr, ihr Wiederaufbau ist jedoch geplant.

In der Jägerstraße, einen Straßenzug weiter, sammelte Rahel Levin in ihrem Salon, die Größen der deutschen Romantik um sich. Von 1793 - 1800 war ihre Wohnung Treffpunkt für Literaten und Philosophen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist der Gendarmenmarkt wieder dabei, sein vornehmes Flair und damit seinen alten Ruf zurückzuerobern.

An der Ostseite des Platzes befindet sich seit 1951 die Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Der Akademie gehören heute 44 Zentralinstitute an. Die Forschungsbereiche umfassen die Bereiche Physik, Kern- und Werkstoffwissenschaften, Mathematik/Kybernetik, Geo- und Kosmoswissenschaften, Chemie, Molekularbiologie und Medizin sowie die Gesellschaftswissenschaften.

 

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Leipziger Straße bis Mehringplatz

Zurück zur Friedrichstraße. Folgt man der Straße weiter ´gen Süden trifft man auf die Leipziger Straße. Die Straße war früher die Hauptgeschäftsstraße Berlins und dem entsprechend belebt. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich das Bild der Leipziger Straße völlig verändert. Die großen Warenhäuser sind verschwunden. Statt dessen wurden Wohnhochhäuser u.a. für Diplomaten und Journalisten mit diversen Geschäften gebaut.

Am Westende mündet die Straße in den achteckigen Leipziger Platz. Gleich nebenan befindet sich der Potsdamer Platz.

Kurz hinter der Leipziger Straße fand die Friedrichstraße bis vor wenigen Jahren am Checkpoint Charlie ein abruptes Ende. Der Checkpoint Charlie war der ehemalige Grenzübergang für Ausländer und Alliierte und deren Angehörige von und nach Ostberlin. In der Zeit des kalten Krieges kam es an diesem Ort zu ernsten Konfrontationen.

Seit 1963 dient das Haus am "Kontrollpunkt C (C=Charlie) an der Friedrichstraße als Informations- und Dokumentationszentrum. Die ständigen Ausstellungen des Hauses sind humanitären Themen gewidmet, wie z.B. "Die Mauer vom 13. August (1961) bis heute" oder "Von Gandhi bis Walesa - Gewaltfreier Kampf für die Menschenrechte". Seit dem Fall der Mauer steht auf dem Nebengelände die Gedenkstätte "Topographie der deutsch-deutschen Grenze", zu der ein Mauerstück von 24 Meter Länge und Objekte des Grenzsicherheitssystems, gehören. Im Museum für Technik und Verkehr in der Trebbiner Straße kann weiteres Zubehör des kalten Krieges besichtigt werden.

Die Geschichten, die man sich um den Checkpoint Charlie erzählt werden auf jeden Fall noch lange erhalten bleiben. Z.B. die von dem DDR-Bürger, der vor der Grenzöffnung flüchten konnte, da er den Grenzposten sprachlich derart verwirrte, das er ihn letztendlich für einen vom Westen eingereisten Ausländer hielt und ihn "zurück" schickte.

Die ehemalige Staatsgrenze ist heute wieder zu dem geworden was sie einst war - die Bezirksgrenze zwischen Mitte und Kreuzberg.

Östlich der Friedrichstraße befand sich hier das alte Berliner Zeitungsviertel mit dem Scherl-Verlag, dem Ullstein-Verlag und dem Mossehaus.

Auf dem ehemaligen Grundstück des Scherl-Verlages, das zu DDR-Zeiten direkt an der Mauer lag, hat der Axel Springer Verlag 1961-66 sein Verlagshaus errichtet. Das Haus ist mit seinem langen Druckereitrakt und seinem 79 Meter Gebäude für die Redaktionen diverser Berliner Zeitungen eines der größten Druckereizentren Europas. Auf dem alten Ullstein-Gelände, das ebenfalls von Springer übernommen wurde, steht heute der Flachbau des Graphischen und Gewerbezentrums Berlin AG.

Die Friedrichstraße verläuft noch weiter bis hin zum Mehringplatz (Belle Alliance Platz), auf dem eine Statue der Friedensgöttin besichtigt werden kann.

 

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